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Die erste Liebe vergisst man nicht

Die erste Liebe vergisst man nicht

Ich mag Überraschungen. Deswegen mache ich so gerne mit bei der Challenge #12coloursofhandmadefashion. Ich liebe es, nicht zu wissen, was auf mich am Anfang des Monats zukommt. Jedes Mal ist es die Chance auf ein neues Abenteuer!

Natürlich ist der Begeisterung am Anfang des Monats nicht immer gleich. Und als ich Lila für August las, war ich eher skeptisch. Obwohl meine Geschichte mit Lila eigentlich eine sehr alte ist.

Ich war 14 und mit dem Geld, das ich an Weihnachten bekommen hatte, kaufte ich mir meine ersten Dr. Martens Stiefel. In Lila. Mitten in der Pubertät war Lila die rebellische Farbe und – nicht weniger wichtig – der Junge, in den ich verliebt war, hatte auch welche, in Lila.

Dieser Jung wurde ein Jahr später mein erster Freund. Zwei Jahre waren wir ein glückliches Paar in lila Stiefeln. Bis dass wir beide das erste Mal die Endlichkeit der Unendlichen Liebe kennenlernten.

Und so war Schluss mit dem Jungen und Lila. Ich war 17.

Nicht dass ich ein Problem mit der Farbe habe, ich war nur irgendwie schon fertig mit ihr. Sie gehört zu einer anderen Zeit und anderen Träumen.

Und das kann man gut an meinem Stoff-Vorrat beweisen: Da gibt es keinen Stoff in Lila! Ganz genau sortiert kann ich zwei gemusterte Stoffe ausmachen, die auch Lila haben. Allerdings ist bei keinem Stoff Lila die Hauptfarbe. Selmin von #12coloursofhandmadefashion hält es flexibel: So lange die vorgegebene Farbe dabei ist, ist es ok. Aber ich habe für mich selber eine extra Herausforderung festgelegt: Die Farbe muss nicht nur dabei sein, sondern ganz konkret die Hauptfarbe sein. Das ist bei keinem der beiden Stoffe der Fall. Also steht fest: Ich brauche Stoff!

Ich gehe in meinen Lieblingsladen und verbringe dort viel Zeit. Ich fasse einige schöne gemusterte Stoffe in Lila an und stelle mir hübsche Oberteile vor, die ich gar nicht brauche. Nach kurzem Überlegen kann ich keinen sinnvollen Zusammenhang mit meinem Kleiderschrank finden und suche weiter.

Als ich einen schönen hell-lila Stoff sehe, bekomme ich wieder Hoffnung. Genau diesen Ton hatte ich vor Augen, als ich über Lila nachdachte. Es ist eine feste gewebte Baumwolle mit Elasthan, der typische Stoff für Jeans.

Eine Jeans habe ich seit langem auf meiner Warteliste und ein Schnittmuster dafür auch. Eins von einer Burda Style (Augabe 3/14) aus meine Zeitschriften-Sammlung. Passt eigentlich perfekt. Ich brauche Unterteile, vor allem Hosen. Aber wie oft ziehe ich eine hell-lila Jeans-Hose an?

Ich hole die Stoffrolle raus und lasse den Stoff auf dem Schneidertisch wirken, während ich noch eine Runde im Laden drehe. Nichts. Zurück beim hell-lila Stoff bin ich immer noch nicht überzeugt. Im Sommer ja, aber ich würde die Hose nicht im Winter anziehen.

Als ich die Rolle wieder aufräume, sehe ich sie das erste Mal. Eine andere Rolle in Lila. Ich denke, sie war schon vorher da, ich hatte sie aber nicht mal in Erwägung gezogen, weil sie viel zu lila war. Aber jetzt, leicht verzweifelt, sehe ich sie mit neuen Augen. An sich eine wunderschöne Farbe. Ich liebe sie in Blumen und gleichzeitig ist sie so schön kräftig!

Die Hose in dieser Farbe würde im Winter genauso gut wie im Sommer funktionieren. Zu meinen vielen weißen Oberteilen passt sie perfekt und auch mit Grau und Navy könnte ich mir sie gut vorstellen.

Es kostet mich zwar eine gewisse Überwindung, aber ganz schnell bin ich sogar richtig begeistert von der Farbe! Ich kaufe davon 1,5 Meter und gehe glücklich heim.

Zuhause pause ich das Schnittmuster ab. Zunächst kaufe ich die fehlenden Zutaten: Garn zum Nähen, Garn zum Absteppen (Zierstichgarn) und Nadeln für Jeans, da einige dicke Stellen zu erwarten sind.

Schnell zeigt sich meine größte Herausforderung: das Absteppen! Genaues absteppen. Vor allem wenn eine Naht über unterschiedlich dicke Stellen geht, ist es nicht einfach. Im Schritt kommt noch dazu, dass die Naht rund ist. Hier sieht man meine Schwierigkeiten mit dem Absteppen leider sehr gut beim Ergebnis. Trotz viermaligem Trennen ist die Naht nicht wirklich schön geworden. Ich musste mich aber irgendwann zufriedengeben, da das viele Auftrennen langsam Spuren am Stoff hinterließ.

Und um alles noch spannender zu machen, habe ich mir einen hell-lila-Garn zum Absteppen ausgesucht. Eine Farbe mit weniger Kontrast wäre für das erste Mal auf jeden Fall klüger gewesen!

Was ich auch unterschätzt habe, ist die Zeit, die man braucht, um ständig das Garn fürs Nähen mit dem Garn fürs Absteppen zu wechseln. Und als ich denke, dass mit dem Absteppen nicht mehr viel schiefgehen kann, merke ich, dass das Garn fast zu Ende ist. Ich war auch nah am Ende, deswegen hatte ich wenig Lust eine neue Rolle zu kaufen, nur um ein paar Nähte zu machen. Zum Glück konnte ich noch die Hose säumen. Nur für das Befestigen der Gürtelschlaufen reichte das Garn nicht mehr. Das war aber kein Problem, ich habe ein altes Set mit vielen Farben, in dem es ein ähnliches Hell-Lila gab. Mit dem Garn konnte ich die Schlaufen befestigen und damit war die Hose fertig!

So skeptisch ich mit der Idee am Anfang war, so glücklich bin ich mit dem Ergebnis! Noch einmal konnte ich feststellen, dass es immer eine Bereicherung ist, aus der Komfortzone zu treten und ganz einfach mal was zu machen, das man nicht gewohnt ist. Durch diese Challenge lerne ich Farbe mit neuen Augen zu sehen. Ich hinterfrage ihre Bedeutungen und Vorurteile und diesmal sogar das Gewicht der Vergangenheit.

Und auch wenn ich jetzt glücklich verheiratet bin, war es irgendwie schön, mich an meine erste Liebe und unsere Stiefel zu erinnern. Die erste Liebe vergisst man tatsächlich nicht. Und irgendwann kann man sogar Lila wieder tragen.

Übrigens, von der Bluse gibt es hier ein Video.


  1. Monika P. aus D.

    29 August

    So süß geschrieben! Und wer weiß, vielleicht wird diese Jeans ja das Highlight des Jahres für Dich. 😉

  2. Jutta

    29 August

    Wow! Was für eine tolle Hose. Du weißt ja, dass ich ein absoluter Hosenfan bin?!
    Den Schnitt solltest du unbedingt aufheben. Ich liebe auch lila und ich muss sagen,
    dass mir die Farbe an dir sehr gut gefällt. Allerdings gefällt mir die blau-gestreifte
    Bluse dazu nicht so gut. Ich würde dir eine rein weiße Bluse dazu empfehlen.
    Passend zu den Nähten. Hier warst du ja richtig mutig. Da würde man jeden auch
    noch so kleinen Ausrutscher sehen. Aber du hast (wie immer!) sehr sauber gearbeitet
    und die weißen Nähte sind ein richtiger Blickfang. Chapeau!
    Liebe Grüße
    Jutta

    • Danke schön 🙂
      Ja, den Schnitt hat mir sehr gut gefallen! Ich hab es vor häufiger zu vernähen. Allerdings muss ich mal auch eins selber machen, damit ich dazu ein Video machen kann 🙂
      Weiße Bluse sollte in eine Zweite Fotoshooting kommen, zu dem zweite Fotoshooting bin ich aber nicht mehr dazu gekommen 🙁 Diese Hose wird bestimmt noch sehr oft getragen! Bin sehr glücklich damit 🙂 Liebe Grüße, Andreia

  3. Tabea

    29 August

    Das sieht einfach nur klasse aus.

    Ich mag Herausforderungen ja auch, nur fehlt mir fürs Nähen im Moment einfach die Zeit, sonst hätte ich das mit dem Lila sicher versucht. Aber herausfordernd wäre es schon geworden, weil das auch eher eine Farbe ist, die in meine junge Jugend mit 14 gehört und ich inzwischen anderes lieber mag.

    Also seine steppnähte beeindrucken mich… Hätte ich so nicht hinbekommen. Und Hosen nähen traue ich mir auch nicht zu.

    Liebe Grüße

    • Danke schön <3 Ja, ich finde, dass ich auch zu wenig Zeit habe 🙁 Ich habe immer viel mehr Pläne als Zeit um sie umzusetzen 😀 Liebe Grüße, Andreia

  4. Jessica

    30 August

    Durch ihre Farbe erzählt die Hose jetzt eine Geschiche 🙂
    Das helle Garn sieht zu dem Lila übrigens echt genial aus!

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